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Ich wollte auch mal ein Sonett schreiben

Was schenk ich meiner Gerda bloß zu Ostern,
Sie hätt so gern ein rosa Fahrradschloss?
Sie schenkt mir ihren Po auf rosa Postern,
Die sie beim Selfen in der Dusche schoss

Aus super Perspektive ganz in rosa,
Als es grad rosa aus der Dusche floss,
Und weil den Po kein Mensch bis heute so sah,
Wie sich darauf die Rosaflut ergoss,

Hat ihn die Gerda zum Geschenk erkoren,
Weil sie zu Ostern gern was Buntes schenkt.
Ich schenk ihr rosa Schützer für die Ohren,

Die sie als Muschelwärmer drüberhängt,
Denn Fahrradschlösser gibts nur lilagräulich
Und nicht, wie‘s fast gepasst hätt, lilabläulich.


An Hermes

 – Schöner Gott, ich weiß, du fliegst da oben,
Und du hast mich im Visier,
Und du hältst mich für vollkommen,
Insoferne gleich ich dir.
 
Du, wenn ich mich morgens selber sehe
Auf dem Dachbalkone nackt,
Rückgespiegelt in der Glastür,
Ganz in Frühling eingepackt,
 
Du, dann bin ich einfach so vollkommen,
Immer morgens um halb acht.
Fünf nach neun ist alles anders,
Weil: Dann steh ich überdacht

Nackt auf einer Leopardendecke
Im Museum als Modell,
Und ein Seufzer löst sich leise,
Und mein Lächeln endet schnell,
 
Dort betrachten mich die Aushilfsgötter,
Und sie zeichnen mich als Akt,
Und, ich ahne es, am Himmel
Hast du SOS geflaggt.
 
Keine Panik, schöner Gott, schon morgen
Wogend wieder auf dem Dach
Steh ich, dreh mich für uns beide,
Und ich hör dein fernes: «Ach!»


Franz, du  musst!

 – Siehts der Mond auch jeden Abend,
Guckt er doch zum Fenster rein,
Drinnen flackert rot die Lampe,
Und man wechselt einen Schein.

Eine Hose wird in Falten
Über einen Stuhl gelegt,
Während sich ein tiefer Seufzer
Zwischenmenschlich fortbewegt.

Eine Spinne lässt sich fallen,
Und ein Seidenfummel fällt,
An der Wand im Schnörkelrahmen
Guckt ein Engel in die Welt.

Eine Fülle von orangen-
farbener Verkäuflichkeit
Legt sich auf das Vorgeprüfte
Und erwartet den Bescheid.

Ein Gebet auf schmalen Lippen
Wird im Himmel überhört,
Und ein Schicksal steht im Zimmer
Irgendwie herum und stört.

Ein ermunterndes: «Was ist denn!»
Aus der Ecke mahnt zur Lust,
Und das Schicksal fährt zusammen
Und entscheidet: «Franz, du musst!»

Siehts der Mond auch jeden Abend,
Guckt er doch zum Fenster rein,
Drinnen fällt beherzt ein Schicksal
Auf ein anderes herein.




Fotoshooting anno prüm

 – Und? Der Fotograf, der wollte,
Det ick mir verknautschen sollte,
Beene ineinander legen,
Arme hinterm Rücken schrägen,
Gar keen Lächeln durft ick bringen,
Gucken wie beim Wäschewringen,
Und die allerschönsten Teile
Wie zwee Lampen! In der Eile
War keen Sofa aufzutreiben,
Also uffm Teppich bleiben,
Und im Rücken eene Kiste,
«Mädchen», schrie er, «nackert biste,
Und det reicht, im Hintajrund
Fehlt eventuell een Hund,
Hätten wir mehr Atmosphäre,
Iss ejal, am scheensten wäre,»
Schrie er, «denkst ans Kohlenschippen,
Det bringt Farbe uffe Lippen,
Achtung, kieken! Nich bewejen,
Seele uffn Friedhof lejen,
Bloß nich wackeln, jrade sitzen,
So, jawoll, jetzt lass mers blitzen!»
Und? Wenn da een Hund jestanden
hätte, hätten
Der und ick det Scheißbild och nicht
retten können, wetten?

  



Topsy vertraut sich ihrem 
Emanzipationscoach an


 – Ach, wissen Sie, ich liebe Literaten,
Ich folge ihnen gern auf Schritt und Tritt,
Dem einen hab ich mal ein Steak gebraten
Und nahm ihn in den Lesegarten mit.

Mein Literat hat seine eigne Glätte,
Man bleibt als Frau nicht lange an ihm dran.
Jedoch, wenn ich ihn überhaupt nicht hätte,
Was fing ich dann im Lesegarten an?

Man hat Gefühl. Man ist ja nicht von Pappe.
Man gibt sich hin. Und wird auch mal geneppt.
Ich seh das Leben insgesamt als Schlappe –
Gelegentlich mit Kerlen aufgepeppt.

 


Zielen Sie!


 – Erst zielen Sie betrachtend mal auf Mitte

Und blenden ganz die Außenlandschaft weg –

Was sehn Sie? – Konzetrieren Sie sich, bitte!

Sie sehen, na? Ein hingewölbtes Eck,


Wie es der Künstler gern in Marmor haut.

Wie es in Parks den Mittagsschlendrer schreckt.

Wie man es gern zu Brunnenschmuck verbaut.

Wie es im Kenner das Erschauern weckt.


Jetzt zielen Sie betrachtend mal auf mich,

Auf mich als Ganzes, wenn Sies noch vermögen:

Sie sehen, na? Sie sähen mehr, wenn sich

Die Bilder, die Sie sehn, zusammenzögen


Zu einem Wunschtraumbilderbuchgeblätter,

Das wär dann ich. Ganz Wölbung. Nicht nur Eck.

Sie sehn das nicht? Dann haben Sie halt Bretter …

Am besten blenden Sie die ganze Landschaft weg.



 

Kleine Moritat mit Tässchen Tee

– Manchmal spielt der Mond mit einem Lächeln,
Manchmal spiele ich‘s dem Mond zurück,
Manchmal liegt im Bett ein ausgesuchtes Stück
Mann – und alles Lächeln fällt ins Schwächeln.

Brüh’ ich ihm nach schöner Tat ein Tässchen
Assam auf und träufle Gift hinein,
Durft er heut' der Held in meinem Linnen sein,
Fahr ihn morgen übers Hexengässchen

Hin zum kühlen Grab zu all den andern,
Ach, ich hatt’ sie Stücker alle lieb,
Keiner, der in meinen Armen lange blieb,
Sah sie lächelnd all’ zum Monde wandern.