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Erinnerung an Hanna Seiffert

 – Es war so eine Nacht mit Sommer, Mond und Wein,
Ein Gartentisch – und zwei Verrückte sitzen da und bauen
Das Universum um in eine Welt aus lauter Pusteblumen,
Marie, du lachst, ein quietschvergnügtes Schepperlachen
Aus Tiefen hochgeholt, schiebst mir den Rotwein hin:
Zum Wohl auf alle, die schon in den Betten liegen,
Ich bin erst übermorgen müde! Auf das Leben!

Und wie du plötzlich ernst sein konntest! Wie ein Kind,
Das sich zum Denken Zeit nimmt und noch fragt,
Weil es das einfach Ausgedachte sucht und sagt
Es irgendwann und hat sich heimlich damit weggeträumt.  
Der Georg Kreisler hockte unterm Tisch, hat mitgeschwiemelt
In jener auf den Kopf gestellten Nacht. Jetzt steht er oben
Und hakt sich bei dir unter, wenn du kommst:

Madame, Sie werden hier erwartet, kleine Runde,
Der Shakespeare hat sich angesagt, der Morgenstern,
Der Ringelnatz bringt Pellkartoffeln mit und Quark,
Uns beide hat man als Gesangsduett verpflichtet,
Wir singen von den längst vergangnen Fernen,
Vom Zeitverschwenden hinter allen Sternen,
Und dass es schön war unten auf der Erde.

 

Abschiedsgebet für Eckart


 – Lieber Gott, er wird nun zu dir kommen,
Wenn er Glück hat, lässt du ihn auch rein,
Warnen solltest du die andern Frommen,
Denn er wird kein Bagatellfall sein.

Wenn er kommt, verhülle deine Engel,
Lass die rosa Wolken eingepackt,
Nimm den Neuen väterlich am Gängel
Und verbiet‘ ihm den Dreivierteltakt.

Unten hat er sich enorm verschwendet,
Niemand sah ihn schief im Leben stehn,
Immer hat er sich dem Witz verpfändet,
Und zur Beichte ließ er and‘re gehn.

Lass ihn spüren, dass der Ernst des Lebens
Nunmehr auch für ihn beginnen wird,
Sag ihm deutlich, dass er nun vergebens
Sich aufs Leichtgepäck besinnen wird.

Wenn es sein muss, lieber Gott, verbinde
Ihm die Augen vor dem ew‘gen Glück,
Dass er möglichst bald zur Reife finde.
Und dann, bitte, schick ihn uns zurück.


Winterlied

 – Denkst du noch an jenen Sommerabend 
Als der erste Kuss daneben ging?
Hast du noch die Rosen in der Nase?
Siehst du noch, wie hoch der Himmel hing?
 
Wär ich damals in den Baum gestiegen ...
Hätt‘ ich ein paar Sterne umgedreht ...
Hättest du beim Knöpfen still gehalten …
Ach, die Zeit hat alles überweht ...
 
Kälte ist schon übers Dach gekommen.
Winterblumen spannen Silbernetze.
Hätt‘st du je das Ende so gedacht?
Sommerwünsche wurden über Nacht
Zwei im Schnee vergessne Lieblingsplätze.


Abschiedsworte an Pellka 

(Joachim Ringelnatz)

 – Jetzt schlägt deine schlimmste Stunde,
Du Ungleichrunde,
Du Ausgekochte, du Zeitgeschälte,
Du Vielgequälte,
Du Gipfel meines Entzückens.
Jetzt kommt der Moment des Zerdrückens
Mit der Gabel! – Sei stark!
Ich will auch Butter und Salz und Quark
Oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.
Musst nicht so ängstlich dampfen.
Ich möchte dich doch noch einmal erfreun.
Soll ich Schnittlauch über dich streun?
Oder ist dir nach Hering zumut?
Du bist so ein rührend junges Blut. –
Deshalb schmeckst du besonders gut.
Wenn das auch egoistisch klingt,
So tröste dich damit, du wundervolle
Pellka, dass du eine Edelknolle
Warst, und dass dich ein Kenner verschlingt.