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Geburtstags-Tango

 – hören >> 

Auch der Schönste kommt ins Alter

Und die Pfirsichhaut wird rau,

Aus dem buntgemalten Falter

Wird ein reifer Mann in Grau,


Auch der Schönste kriegt mal Runzeln,

Und die Backen knittern ein,

Und das patentierte Schmunzeln

Passt nicht mehr wie früher rein.


Als die Fünfzig näher kamen,

Hat er Vierzig draus gedreht,

Allen sturmerprobten Damen,

Die es gern zur Kenntnis nahmen,

Hat‘s den Atem weggeweht.


Damals stand er in der Blüte,

Heute steht er gut im Most.

Siebzig Jahre, Gott behüte,

Und gedankt sei‘s seiner Güte,

Sind noch lange nicht der Rost.


Frühlingsschönheit, ach, die blättert ab,

Mancher Schöne klettert früh ins Grab,

Mancher andre reift ganz wunderbar,

Siebzig Jahre färbt ihm der Herbst ins Haar.


Siebzig Jahre sind die Fülle,

Man beneidet ihn darum,

Um die ausgereifte Hülle,

Um den Glanz der Herbstidylle

Und den Buckel voller Zeit,


Siebzig Jahre sind das Ende

Vor dem Anfang

Einer Abendsonnenwende

Mit dem Blick auf ferne Strände

Und dem Schub zur Ewigkeit.


Auch der Schönste kommt ins Alter

Und die Pfirsichhaut wird rau,

Aus dem buntgemalten Falter

Wird ein reifer Mann in Grau,


Auch der Schönste wird mal Engel,

In die Hölle kommt er nicht.

Und im himmlischen Gedrängel

Leuchtet ihm ein Extralicht.



Pfunde-Tango

– hören >> 

 – So geht das nicht weiter,
Du wirst immer breiter,
Versteckst deine Fülle
In schmeichelnder Hülle,

So geht das nicht weiter,
Du wirst immer breiter,
Du ruderst ins Runde
Und wuchtest die Pfunde,

So geht das nicht weiter,
Du wirst immer breiter,
Du stehst auf der Leiter,
Und ich steh davor und guck

Zu dir, zu dir hoch, Liebste,
Und glaub es nicht, ich glaubs nicht, Liebste,
Was seh, ach Gott, was seh ich, Liebste,
Ich guck und seh die Fülle, Liebste,

Du warst einstens meine Schlanke,
Meine schlanke Ranke,
Jetzt rankst du rund, rundumrund, kugelrund, Pfund um Pfund 
Um dich herum. 

Ich guck zu dir hoch, Liebste,
Und ich glaub, ich glaub es nicht,
Was seh, seh, was seh ich, ach,
Ich seh, seh, die Fülle, Liebste,

Treib es, treibs nicht so weiter,
Steig von der Leiter,
Und komm und lauf jetzt, lauf jetzt, mit mir ums Haus jetzt,
Ums Haus herum.

Verdammtnochmal,
So geht das nicht weiter,
Du wirst immer breiter,
Komm, wir drehn eine Runde,
Und schrumpfen die Pfunde,
Los, steig von der Leiter,
Wir, wir laufen ums Haus. 

Wie ein Schmetterling bist du doch einstens geflogen,
Hast kaum was gewogen,
Bist im Schmetterlingsbogen
Um die Häuser gezogen.

Und jetzt bist du die Fülle
In schmeichelnder Hülle,
Du ruderst ins Runde
Und wuchtest die Pfunde.

Du, so geht das nicht weiter,
Du wirst immer breiter,
Also kommt von der Leiter,
Und wir rennen ums Haus. 

(Grafik: © Knoppx)



Drehnsen Tango!


 – hören >>


Drehnsen Tango, drehnsen Tango,

Wenn das Herz mal wieder aus den Nähten geht,

Drehnsen Tango, drehnsen Tango,

Wenn der Wind mal wieder aus der falschen Richtung weht,

Drehnsen Tango, drehnsen Tango,

Wenn der Mensch in Ihnen auf der Kippe steht,

Und schon im Tangotakt, 

Hat sich das Herz entschlackt,

So kriegense Herzensschmerzen locker aus der Welt, 

Der Schmerz wird abgewrackt,

Der Mensch wird ausgepackt 

Und als geheilt von Ihnen in die Welt gestellt.


Manchmal verzehrt sich die Seele,

Manchmal da drückts in der Brust,

Seele kommt nicht von der Stelle,

Mensch hat auf gar nichts mehr Lust,

Mensch wirft sich selber nur scheele

Blicke im Spiegelbild zu,

Mensch steht im Frust,

Und dann bringt er sich um

Oder nicht und kriegt im Tangotakt sich selber rum


Und dreht‘n Tango, drehnsen Tango

Wenn das Herz mal wieder aus den Nähten geht,

Drehnsen Tango, drehnsen Tango,

Wenn der Wind mal wieder aus der falschen Richtung weht,

Drehnsen Tango, drehnsen Tango,

Wenn der Mensch in Ihnen auf der Kippe steht,

Und schon im Tangotakt, 

Hat sich das Herz entschlackt,

So kriegense Herzensschmerzen locker aus der Welt, 

Der Schmerz wird abgewrackt,

Der Mensch wird ausgepackt 

Und als geheilt von Ihnen in die Welt gestellt.


Manchmal verwünscht man sich selber,

Manchmal da stehts bis zum Kinn,

Welt ist ein Stall voller Kälber,

Gar nichts mehr Menschliches drin,

Mond wird von selber nicht gelber,

Mensch wird von selber nicht Mensch,

Mensch steht im Frust,

Und dann bringt er sich um

Oder nicht und kriegt im Tangotakt sich selber rum


Und drehtn Tango, drehnsen Tango

Wenn das Herz mal wieder aus den Nähten geht,

Drehnsen Tango, drehnsen Tango,

Wenn der Wind mal wieder aus der falschen Richtung weht,

Drehnsen Tango, drehnsen Tango,

Wenn der Mensch in Ihnen auf der Kippe steht,

Und schon im Tangotakt, 

Hat sich das Herz entschlackt,

So kriegense Herzensschmerzen locker aus der Welt, 

Der Schmerz wird abgewrackt,

Der Mensch wird ausgepackt 

Und als geheilt von Ihnen in die Welt gestellt.


 





Zaster-Tango

 – Lieber Gott, du gabst mir Zaster,
Mit dem Zaster kam das Laster,
Habe manchen meiner Scheine
Umgesetzt in Bier und Weine,
Und zuweilen in Likör,
Alkohol ist mein Malheur.


Wenn die andern Leute träumen,

Steh ich unter dunklen Bäumen

Sehr besoffen und erheitert,

Im Empfinden sehr erweitert,

Und es wirkt auf mich die Nacht

Richtig wie von mir gemacht.


Ach, ich bin so gern besoffen!

Lass mich dennoch weiterhoffen,

Einstens zu den andern Frommen

In den Himmel reinzukommen.

Und zur Freude für uns beide,

Lieber Gott, das wär der Hit,

Bring ich uns ein Fläschchen mit.


Mit dem Zaster kam das Laster,

Habe manchen meiner Scheine

Umgesetzt in Bier und Weine,

Und zuweilen in Likör,

Alkohol ist mein Malheur.


Wenn die braven Leute schlafen,

Steh ich zwischen schwarzen Schafen,

Sehr besoffen sind wir alle,

Niemand kriegt uns in die Falle,

Und es wirkt auf mich die Nacht

Richtig wie von mir gemacht.


Ach, ich bin so gern besoffen!

Lass mich dennoch weiterhoffen,

Einstens zu den andern Frommen

In den Himmel reinzukommen.

Und zur Freude für uns beide,

Lieber Gott, das wär der Hit,

Bring ich uns ein Fläschchen mit.


Lass mich, eh‘ sie mich begraben,

Einen Letzten sitzen haben,

Und den Allerletzten oben,

Hast du je ein Glas gehoben,

Lieber Gott, bedenke dann:

Hundsgemein ist jedermann,

Der darauf verzichten kann.



Schellackplatten-Tango


– Wenn die Schellackplatte kratzte,
Und das Liebesweh lief rund,
Ach, dann nahm er sie und schmatzte
Ihr die Sehnsucht auf den Mund,
Und dann spürte sie auch – irgendwas Gewisses,
Doch sie wusste nicht so – ganz genau, was isses.

Wenn der Tango sie umspülte,
Und sie bog sich zu ihm hin,
Ach, dann nahm er sie und kühlte
Ihr das Ohr am Männerkinn,
Und dann stahl er sich ihr – Lächeln und zerbisses,
Und dann wusste sie auch – ganz genau, das isses.

Manchmal streifte er am Tangokleid die Schlitze,
Und dann littse,
Littse sehr,
Denn das führte nur zu unvollkommner Hitze,
Und dann glittse,
Glittse mehr,
Mehr und mehr ihm von der Brust
Und entwand sich seiner Lust,
Doch den nächsten Tangsoschritt,
Hielt sie hitzehoffend wieder gerne mit.

Wenn die Schellackplatte kratzte,
Und das Liebesweh lief rund,
Ach, dann nahm er sie und schmatzte
Ihr die Sehnsucht auf den Mund,
Und dann spürte sie auch – irgendwas Gewisses,
Doch sie wusste nicht so – ganz genau, was isses.

Wenn der Tango sie umspülte,
Und sie bog sich zu ihm hin,
Ach, dann nahm er sie und kühlte
Ihr das Ohr am Männerkinn,
Und dann stahl er sich ihr – Lächeln und zerbisses,
Und dann wusste sie auch – ganz genau, das isses.

Manchmal drückte er sie hin zur Bodenritze,
Und dann schnittse,
Schnittse gern
Ein Gesicht und schickte augenschlitzend klitze-
kleine Blitze
Zu dem Herrn,
Und der hätte auch im Tang-
go mit ihr die Ritze lang
Manchen Drücker noch gewagt,
Doch da hat dem Herrn die Puste sich versagt.

Wenn der Tango sie umträumte,
Und die Blicke wurden schwer,
Ach, dann nahm er sie und räumte
Ihr das Sehnsuchtszimmer leer,
Und dann konnte sie am – nächsten Morgen singen,
Er hingegen musste – nach Erholung ringen.

Wenn die Schellackplatte drehte,
Und das Liebesweh lief rund,
Ach, dann trieb er ins Verwehte,
Kam am Ende auf den Hund,
Und sie weinte ihm nicht – eine Träne, ach,
Weil der Tango sie dem Nächsten in die Arme spülte, nach.


Kettenrauchertango 


– So lieben wir ihn den Verbraucher –
Dem Tode nah als Kettenraucher.


Ich gebe mich dem Rauch

Mit Wonne hin und auch

Von Kringeln eingekettet,

In Düfte eingebettet, 

Lass ich in blauen Schwaden

Gedankenbilder baden

Von dir geliebtes Stück,

Du Raucherzwischenglück.


Ich gebe mich dem Rauch

Mit Wonne hin und auch,

Wenn ich in meiner Nähe

Nur Nebelmäuse sehe,

So seh ich in Gedanken

Mich dir entgegenwanken,

Geliebte, ach, von fern,

Umgaukelt mich dein Stern.


Du schönster von den mir bekannten Engeln,

Du Traumstopp zwischen zwei gepafften Stengeln,

Du Fünfminutenseligkeitensüße,

Die ich aus meinem Raucherhimmel grüße,


Wenn ichs vielleicht schon morgen übertreibe

Und mittels Rauchvergiftung mich entleibe,

So schick ich dir von oben blaue Blicke

Und knicke dir von dort aus dann das Herz.


Ich gebe mich dem Rauch

Mit Wonne hin und auch

Von Kringeln eingekettet,

In Düfte eingebettet, 

Lass ich in blauen Schwaden

Gedankenbilder baden

Von dir geliebtes Stück,

Du Raucherzwischenglück.


Ich gebe mich dem Rauch

Mit Wonne hin und auch,

Wenn ich in meiner Nähe

Nur Nebelmäuse sehe,

So seh ich in Gedanken

Mich dir entgegenwanken,

Geliebte, ach, von fern,

Umgaukelt mich dein Stern.


Wärst du doch ein Rauchgeschlängel,

Nähm ich dich am Liebesgängel

Und in stetigem Bemühen,

Könnt ich dich auf Lunge ziehen,


Wärst du doch ein Lustgebilde,

Qualmend und aromamilde,

Könntest du für mich erglühen

Und mir um die Nase blühn.


Weils nicht so ist,

Und du es nicht bist,

Lass ich in blauen Schwaden

Gedankenbilder baden

Von dir geliebtes Stück,

Du Raucherzwischenglück,


Lust am Rauch,

Die tut es schließlich auch,

So seh ich in Gedanken,

Mich dir entgegenwanken,

Geliebte, ach, von fern

Umgaukelt mich dein Stern.