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An Hermes

 – Schöner Gott, ich weiß, du fliegst da oben,
Und du hast mich im Visier,
Und du hältst mich für vollkommen,
Insoferne gleich ich dir.
 
Du, wenn ich mich morgens selber sehe
Auf dem Dachbalkone nackt,
Rückgespiegelt in der Glastür,
Ganz in Frühling eingepackt,
 
Du, dann bin ich einfach so vollkommen,
Immer morgens um halb acht.
Fünf nach neun ist alles anders,
Weil: Dann steh ich überdacht

Nackt auf einer Leopardendecke
Im Museum als Modell,
Und ein Seufzer löst sich leise,
Und mein Lächeln endet schnell,
 
Dort betrachten mich die Aushilfsgötter,
Und sie zeichnen mich als Akt,
Und, ich ahne es, am Himmel
Hast du SOS geflaggt.
 
Keine Panik, schöner Gott, schon morgen
Wogend wieder auf dem Dach
Steh ich, dreh mich für uns beide,
Und ich hör dein fernes: «Ach!»


Franz, du  musst!

 – Siehts der Mond auch jeden Abend,
Guckt er doch zum Fenster rein,
Drinnen flackert rot die Lampe,
Und man wechselt einen Schein.

Eine Hose wird in Falten
Über einen Stuhl gelegt,
Während sich ein tiefer Seufzer
Zwischenmenschlich fortbewegt.

Eine Spinne lässt sich fallen,
Und ein Seidenfummel fällt,
An der Wand im Schnörkelrahmen
Guckt ein Engel in die Welt.

Eine Fülle von orangen-
farbener Verkäuflichkeit
Legt sich auf das Vorgeprüfte
Und erwartet den Bescheid.

Ein Gebet auf schmalen Lippen
Wird im Himmel überhört,
Und ein Schicksal steht im Zimmer
Irgendwie herum und stört.

Ein ermunterndes: «Was ist denn!»
Aus der Ecke mahnt zur Lust,
Und das Schicksal fährt zusammen
Und entscheidet: «Franz, du musst!»

Siehts der Mond auch jeden Abend,
Guckt er doch zum Fenster rein,
Drinnen fällt beherzt ein Schicksal
Auf ein anderes herein.



Himmelfahrt


 – Lieber Gott, ich sah dich gestern kommen

Gradewegs zur Kneipentür herein.

Anfangs glaubte ich, es könnt‘ ein Irrtum sein,
Denn ich sah dich zwar, doch sah ich dich verschwommen,
Und dein Gang, entschuldige, war mehr ein Wanken,
Und das ließ mich rundherum im Glauben schwanken.
 
Doch dann hast du zu den Himmelsachsen
Dich ins Lot gebracht und aufrecht kamst du her,
Nichts von Wanken oder Schwanken sah ich mehr,
Vielmehr schien‘s, als sollten dir jetzt Flügel wachsen,
Und wie dir – mir auch! So dass wir Schleifen flogen
Kneipenauswärts und vereint gen Himmel zogen.


Möglich, dass wir bis zur Himmelspforte kamen,
Bloß, ich weiß es nicht und wüsst es gerne, amen.



 

Kleine Moritat mit Tässchen Tee

– Manchmal spielt der Mond mit einem Lächeln,
Manchmal spiele ich‘s dem Mond zurück,
Manchmal liegt im Bett ein ausgesuchtes Stück
Mann – und alles Lächeln fällt ins Schwächeln.

Brüh’ ich ihm nach schöner Tat ein Tässchen
Assam auf und träufle Gift hinein,
Durft er heut' der Held in meinem Linnen sein,
Fahr ihn morgen übers Hexengässchen

Hin zum kühlen Grab zu all den andern,
Ach, ich hatt’ sie Stücker alle lieb,
Keiner, der in meinen Armen lange blieb,
Sah sie lächelnd all’ zum Monde wandern.