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Sonetto siciliano


 – Ich habe eine Liebste auf Sizilien,

(vielleicht, ich weiß es aber nicht genau),

Ich denk sie mir als zeitentrückte Frau

Inmitten sizilianischer Fossilien:


Da steht ein Krug und vor dem Krug, verführend,

Hockt meine Liebste, schön und fossiliert,

Oft bin ich schon um sie herumstolziert,

Den Mann betonend und Verlangen schürend


Und hoffend, dass sie sich nach mir verzehre;

So, wie auch mich die Gier nach ihr zerquält,

Wenn sie sich manchmal aus Vergangnem schält,


Gedanklich – nackt die Gegenwarten sucht,

Auf Sizilianisch einen Lustfluch flucht

Und unversehens türmt. Ins Ungefähre


Und zieht mich wie ein Spielzeug hinterher …

(Wenn das nicht typisch sizilianisch wär!)

 


Erinnerung an Hanna Seiffert

 – Es war so eine Nacht mit Sommer, Mond und Wein,
Ein Gartentisch – und zwei Verrückte sitzen da und bauen
Das Universum um in eine Welt aus lauter Pusteblumen,
Marie, du lachst, ein quietschvergnügtes Schepperlachen
Aus Tiefen hochgeholt, schiebst mir den Rotwein hin:
Zum Wohl auf alle, die schon in den Betten liegen,
Ich bin erst übermorgen müde! Auf das Leben!

Und wie du plötzlich ernst sein konntest! Wie ein Kind,
Das sich zum Denken Zeit nimmt und noch fragt,
Weil es das einfach Ausgedachte sucht und sagt
Es irgendwann und hat sich heimlich damit weggeträumt.  
Der Georg Kreisler hockte unterm Tisch, hat mitgeschwiemelt
In jener auf den Kopf gestellten Nacht. Jetzt steht er oben
Und hakt sich bei dir unter, wenn du kommst:

Madame, Sie werden hier erwartet, kleine Runde,
Der Shakespeare hat sich angesagt, der Morgenstern,
Der Ringelnatz bringt Pellkartoffeln mit und Quark,
Uns beide hat man als Gesangsduett verpflichtet,
Wir singen von den längst vergangnen Fernen,
Vom Zeitverschwenden hinter allen Sternen,
Und dass es schön war unten auf der Erde.